Debatte: Erinnerungsstätte an die polnischen Opfer des II. Weltkrieges

Homburger Appell der Deutsch-Polnische Gesellschaft

– Die Deutsch-Polnische Gesellschaft schließt sich mit einem Appell auf der 28. Jahrestagung 2019 in Homburg den Initiativen zur Errichtung einer Erinnerungsstätte an die polnischen Opfer des Zweiten Weltkrieges in der Mitte Berlins an – und wirbt zusätzlich für einen Ort der Informationen, des Lernens und der Begegnungen.

Pressemitteilung der DPG: dpgberlin.de/de/2019/homburger-appell

Homburger Appell unterstützt die Errichtung einer Erinnerungsstätte an die polnischen Opfer des Zweiten Weltkrieges in der Mitte Berlins – und wirbt zusätzlich für einen Ort für Informationen, Lernen und Begegnungen

Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Bundesverband begrüßt die Initiative von Bundestagsabgeordneten für einen Ort in der Mitte Berlins zum Gedenken an die polnischen Opfer von Krieg und Besatzung 1939 bis 1945. Die Initiative für einen Gedenkort, die von über 250 Abgeordneten unterstützt wird, soll nach den Vorstellungen des Bundesverbandes durch einen Ort für Informationen, Lernen und Begegnung ergänzt werden.

„Die Beziehungsgeschichte zwischen Deutschland und Polen erstreckt sich über 1000 Jahre. Wir wollen uns mit der wechselvollen Geschichte auseinandersetzen und dabei insbesondere auch mit der Zeit von Krieg und Besatzung. Eine Kenntnis des Geschehenen ist die Voraussetzung für unser Gedenken“, erklärte der Bundesvorsitzende Dietmar Nietan, MdB.

Auf ihrer Jahrestagung vom 24.-27. Oktober 2019 hatten die Mitglieder des Bundesverbandes in Homburg (Kreis Saarpfalz) über die Weiterentwicklung ihres Engagements für die Kooperation mit dem Nachbarland Polen diskutiert.

Der Beschluss wurde als sogenannter Homburger Appell am Schluss der Jahrestagung 2019 gefasst, die unter anderem aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der Partnerschaft zwischen der polnischen Woiwodschaft Podkarpackie (Karpatenvorland) und dem Saarland in der Stadt Homburg durchgeführt wurde. Die jährlichen Treffen finden abwechselnd in Deutschland und Polen statt.

Im Bundesverband der Deutsch-Polnischen Gesellschaften sind 50 regionale Gesellschaften organisiert, die sich seit Zeiten der Entspannungspolitik für die deutsch-polnische Verständigung einsetzen. Nach der Wiedervereinigung waren weitere Gesellschaften entstanden und kamen auch aus dem Osten Deutschlands hinzu.

Geschäftsstelle Deutsch-Polnische Gesellschaft Bundesverband e.V.

 

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Die Idee, polnischen NS-Opfern in Deutschland ein Denkmal zu errichten, geht auf den Auschwitz-Überlebenden und früheren polnischen Außenminister Władysław Bartoszewski zurück.

Eine Initative geht 2017 von Leo und Florian Mausbach, Andreas Nachama und Dieter Bingen aus und schlägt den Askanischen Platz am Anhalter Bahnhof als Standort vor. Sie genießt Unterstützung durch Wolfgang Schäuble:
Kurze Grußworte von Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble zum Gedenken an die polnischen Opfer des Zweiten Weltkrieges am Askanischen Platz in Berlin am 1. September 2019

 

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Bundestagsabgeordnete rufen zur Errichtung
eines Mahnmals für polnische NS-Opfer auf

Auszug aus dem Aufruf vom August 2019, der von 240 Abgeordneten aus allen Fraktionen unterstützt wird:

„An prominenter Stelle in Berlin soll ein geeigneter Ort gefunden werden, der den Opfern des Krieges und der Besatzung in Polen gewidmet ist. … Wir stellen uns darunter auch einen Ort der Begegnung und Auseinandersetzung vor, der Deutsche und Polen zusammenbringt und damit zur Vertiefung unserer Beziehungen und Freundschaft beiträgt.“

Hier der gesamte Text: gruene-bundestag.de/…/aufruf-denkmal-polen.pdf
 

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Artikel der Deutschen Welle zur Debatte:
Polen-Denkmal in Berlin? und Ein Weltkriegsdenkmal für Polen in Berlin?

Beiträge vom 27.08.2019 in Deutschlandfunk Kultur: „Ein blinder Fleck im deutschen Geschichtsbewusstsein“ – Aleida Assmann im Gespräch mit Sigrid Brinkmann, und Erinnern an polnische Opfer der NS-Herrschaft von Sebastian Engelbrecht.

Bedenken wegen einer möglichen Nationalisierung der Erinnerung äußert der Historiker und Journalist Sven Felix Kellerhoff am 30.08.2019 im Gespräch mit dem Deutschlandfunk: „Nationalisierung hilft nicht bei Erinnerung“. Ähnlich äußert sich Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Grzegorz Rossoliński-Liebe wiederum sagt, dass „über die komplexe Frage der Kollaboration … nur ein Museum aufklären kann“, siehe Beitrag im Tagesspiegel vom 11.09.2019: Nur ein Museum kann der deutschen Besatzungs- und Vernichtungspolitik gerecht werden.

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